Mildes Urteil:Versicherungsfachmann wegen Nötigung eines Journalisten verurteilt

Ein Winterthurer Unternehmer ist wegen Nötigung eines Journalisten des Magazins «Beobachter» verurteilt worden.


Weil der Journalist an einer Reportage über Krankenkassenversicherungen schrieb, in dem der Versicherungsunternehmer kritisch beurteilt wurde, drohte dieser erst den Journalisten und dann auch dessen Frau und Kinder ins Visier zu nehmen.

Nach dem Gegenlesen des Artikels im Juni 2008 forderte der heute 57-jährige Verkäufer den Journalisten wegen kritischer Passagen über seine Firma auf, den Artikel nicht zu veröffentlichen. Zunächst stellte er ihm in Aussicht, ihm einen Schaden von zehn Millionen Franken in Rechnung zu stellen.

Als der Journalist auf die Forderung nicht einging, tauchte der Unternehmer bei ihm zu Hause auf und stiess Drohungen gegen seine Frau und seine beiden Kinder aus. Aus Angst um um seine Angehörigen verzichtete der Journalist schliesslich auf die Veröffentlichung.

Trotzdem erschien der Unternehmer später nochmals am Wohnort des Journalisten und ging erst nach mehrfacher Aufforderung.
Zwanzig Tage später griff die Polizei ein. Der Unternehmer kam in Untersuchungshaft und schliesslich vors Bezirksgericht Zürich.

Das Gericht verurteilte den Versicherungsmann nun wegen Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 1 000 Franken.
Das Gericht stufte das Verhalten des Angeklagten als nicht tolerierbar ein und warf ihm eine strafbare Machtdemonstration vor. Er habe systematische Recherchen über den Journalisten betrieben und diesen glauben lassen, dass er bereit sei, auch dessen Frau und Kinder ins Visier zu nehmen, um seine Ziele zu erreichen. Trotzdem ging der Richter von einem leichten Verschulden aus, weil sich der Unternehmer in einer ausweglosen Situation gewähnt habe.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Klaus Rozsa (Montag, 27 April 2009 11:05)

    Geradezu grotesk mutet diese Urteil an: Da wird ein Unternehmer wegen massiven Drohungen, Hausfriedensbruch etc. zu einer Geldstrafe von 1000 Franekn (sic!) verurteilt, obschon er mit einer Erpressungsklage von 10 Millionen Franken gedroht hat.
    Dabei wäre es auch wichtig, diese "Versicherungsbetrüger" endlich zu entlarven...