BBC: Tausende Journalisten streiken wegen Job-Kahlschlag

Deutsche und Schweizer Branchenkollegen erklären sich solidarisch.
 

Die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Medienbranche zeigen nach den USA nun auch in Grossbritannien Wirkung. Wie der "Guardian" berichtet, werden angesichts einer drohenden Entlassungswelle bei der britischen Rundfunkanstalt BBC tausende Journalisten ihrem Unmut in Form von Streiks Luft machen. Ganze zwei Tage lang soll im kommenden Monat die Arbeit niedergelegt werden. Betroffen von den drastischen Massnahmen sind dabei sowohl die TV- und Radioprogramme als auch die umfangreiche Webseite des Unternehmens, deren Nachrichtenproduktion am 3. und 9. April vollkommen eingestellt werden soll.

Ziel des Mitarbeiterprotests, für den sich zuvor im Rahmen einer landesweiten Abstimmung 77 Prozent der Stimmabgeber ausgesprochen hatten, ist das Einlenken des BBC-Managements. Dieses solle "sinnvolle Verhandlungen" mit der National Union of Journalists aufnehmen, um die Gefahr von Zwangsentlassungen abzuwenden, so die Forderung der BBC-Mitarbeiter.

"Wenn die Kollegen in Grossbritannien aufgrund von drohenden Jobkürzungen zwei Tage lang ihre Arbeit ruhen lassen und streiken, haben sie unsere volle Unterstützung", erklärt Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalistenverbandes (DJV). Es müsse sichergestellt werden, dass Journalisten auch in wirtschaftlichen Härteperioden akzeptable Arbeitsbedingungen zur Verfügung haben.

Auch in der Schweiz erklären sich die Branchenkollegen solidarisch mit den streikenden BBC-Journalisten. "Ein Streik ist ein durchaus legitimes Mittel, um auf Missstände und Probleme hinzuweisen. Damit diese Anliegen in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen werden, ist es oft notwendig, zu drastischen Massnahmen zu greifen", betont Urs Thalmann, Geschäftsführer bei impressum, dem Berufsverband der Schweizer Journalisten, auf Anfrage von pressetext. "Der starke Rückgang im Anzeigengeschäft hat auch in der Schweiz einen regelrechten Kahlschlag in den Redaktionen einsetzen lassen. Ich habe allerdings den Verdacht, dass manche Medienhäuser die aktuelle Krise lediglich als Vorwand dazu missbrauchen, um sich fleissig an der Abbauschlacht beteiligen zu können", ergänzt Thalmann.

Die Möglichkeit, dass sich die Schweizer Journalisten angesichts dieser Entwicklung zu Streiks aufraffen könnten, sei zwar gegeben, aber nicht sehr wahrscheinlich. "Journalistenstreiks sind in der Schweiz eine seltene Ausnahme. Ich glaube zwar schon, dass es nach dem Überschreiten einer gewissen Schmerzgrenze auch hier zu entsprechenden Massnahmen kommen könnte. Im kommenden Jahr sehe ich das aber noch nicht", meint Thalmann. In Grossbritannien habe der Kampf der Arbeiter für die eigenen Rechte schliesslich eine besonders lange Tradition. "In der Schweiz sind die Journalisten nur sehr schwer zu mobilisieren", so Thalmann abschliessend.

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Kommentare: 1
  • #1

    pressefreiheit (Donnerstag, 19 März 2009 10:09)

    In der Schweiz kann man (Verleger) mit Journalisten machen was man will: Sie wehren sich nicht. Dafür haben sie immer einige Ratschläge bereit für alle anderen... Die von Thalmann erwähnte "Schmerzgrenze" ist schon lange überschritten!
    Klaus Rozsa