Presseratspräsidium will Untersuchung zur Berichterstattung im Mordfall Lucie

Am Donnerstag haben die Aargauer Behörden an einer Medienkonferenz das Bild und den vollen Namen des geständigen Täters im Mordfall Lucie veröffentlicht. Zahlreiche Medien haben daraufhin das Foto (ohne Gesichtsbalken) und den Namen veröffentlicht oder zumindest den Namen genannt.

 

«Dieses Vorgehen wirft im Lichte früherer Stellungnahmen des Presserates grundlegende berufsethische Fragen zur Veröffentlichung von Namen und zur identifizierenden Berichterstattung über Straftäter auf», schreibt der Presserat in einer Stellungnahme vom Freitag. Das Presseratspräsidium beantragt dem Presserat deshalb, den Fall von sich aus aufzugreifen und zum Gegenstand einer Stellungnahme zu machen.

 

Der Presserat hat in der Stellungnahme 7/1994 festgehalten, dass Medienschaffende auch dann nicht von der medienethischen Prüfung entbunden sind, ob eine identifizierende Berichterstattung im Einzelfall gerechtfertigt ist, wenn Strafverfolgungsbehörden einen Namen zur Publikation freigeben.

Diese restriktive Praxis in Sachen Namensnennung bei Straftätern hat der Presserat zudem in der Stellungnahme 6/2003 bekräftigt, obwohl die Polizei auch damals den Namen lieferte und implizit zu dessen Verbreitung aufforderte. Entsprechend werde auch im aktuellen Fall kritisch zu überprüfen sein, ob die Veröffentlichung von Namen und Bild berufsethisch gerechtfertigt war oder ob darauf hätte verzichtet werden müssen.

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